Die Günthersmühle im Kasselgrund
(Günthersmühle
1 )
(Günthersmühle 2)
(Gebührenliste)
(Beitrittserklärung)
(Häuserverzeichnis)
Wir
stellen vor :
Das Naturfreundehaus "Günthersmühle" der
Ortsgruppe Offenbach
und seine bewegte Geschichte.
Kurt Nagel
In der Reihe der vier Kasselgrundmühlen ist die Günthersmühle die oberst gelegene. Sie wurde jedoch nicht, wie die anderen Mühlen vom Kasselbach angetrieben, sondern vom Lämmerbach, welcher aus dem Seitental kommt und unterhalb des ehemaligen Forsthauses in den Kasselbach mündet. Noch heute ist der Verlauf des Mühlgrabens als leichte Einmuldung im Gelände erkennbar. 1956 war die Mühlradgrube noch vorhanden und die zugemauerte Wellendurchführung in der Mauer sichtbar. Das Mühlrad war oberschlächtig und hatte höchstens einen Durchmesser von 3 Metern.
Die Wiese unterhalb des Hauses ist heute noch teils natürlich, teils künstlich mit einem Damm eingegrenzt, was darauf schließen lässt, dass das Unterwasser der Mühle einen Teich speiste. Auch die Bauform des Hauses, dessen talseitiger Vorbau von einer schrägen Sandstein-Stützmauer getragen wird, lässt vermuten, dass das Haus früher unmittelbar am Wasser stand.
Die
Günthersmühle war eine "Lohmühle". Die Lohe ist ein gerbstoffhaltiges
Produkt aus Eichenrinde, welches in dieser Zeit, für die Ledergerbung gebraucht
wurde. In den, für uns erreichbaren Dokumenten, wird die Günthersmühle
erstmals 1804, durch Erteilung der Wasserrechte auf "ewige Zeiten" erwähnt.
Die chronologische Folge der Mühlenbesitzer lässt sich aber erst ab
1838, damals war es der "Müller Günther", lückenlos dokumentieren.
Bis 1929 wechselte die Günthersmühle fünfmal den Besitzer, bis
sie in jenem Jahr von den Offenbacher Naturfeunden erworben wurde.
In
der Tradition der Naturfreunde wurde nun die alte Mühle in Eigenhilfe, mit
einfachsten Mitteln, von den Mitgliedern zum Wander.- und Ferienheim hergerichtet.
Am Oster-Sonntag 1930
fand unter großer Beteilgung die feierliche Einweihung statt.
Nur
drei Jahre dauerte die fruchtbare Zeit, in der viele Stadtmenschen und vor allem
bedürftige Kinder aus Offenbach die Günthersmühle als Erholungsstätte
nutzen konnten. 1933 wurde die Organisation verboten, das Haus, wie alle Häuser
der Naturfreunde, von den neuen Machthabern enteignet. Im Februar 1933 wurde das
Haus von einer bewaffneten SA-Einheit umstellt und durchsucht. Trotzdem konnte
das Haus noch bis zum Januar 1934 weitergeführt werden, weil der zuständige
Revierförster, den Machthabern gegenüber die Bürgschaft für
einen "ordentlichen Betrieb" übernahm. Für die Zwecke der
Nazi-Organisationen war das Haus nicht geeignet, so kam es 1937 zur Versteigerung
der Günthersmühle. Bald darauf verkaufte der Ersteigerer jedoch das
Haus an einen Bürger aus dem Dorf Kassel.
Am
19.Oktober 1945 gründete sich die Ortsgruppe Offenbach, als erste in Deutschland,
neu. Der 1933 aufgelöste Vorstand konnte, ohne Verluste, in gleicher Besetzung
die Arbeit wieder aufnehmen. Sofort wurde beim Amt für Vermögenskontrolle
und Wiedergutmachung ein Antrag auf Rückgabe des, von den Nazis gestohlenen
Hauses, gestellt.
Am 16. Dezember 1949 erfolgte dann die rechtliche Rückgabe. Leider konnte das Haus nicht sofort genutzt werden, es wurde von drei Familien aus dem Dorf Kassel bewohnt, welche selbst neue Unterkünfte suchten. Die Nutzung als Naturfreundehaus konnte erst am 13. Mai 1956, nach 26 Jahren, wieder aufgenommen werden, nachdem wieder nur mit großem Arbeitseifer der Mitglieder und mit einem Kredit der Gewerkschaft Leder erträgliche Verhältnisse hergestellt werden konnten.
Um die Bausubstanz, des über 200 Jahre alten Hauses zu erhalten waren jahrzehntelang immer nur kleine Schritte möglich. Zu einer Grundrenovierung war jedoch ein großer Sprung nach vorn notwendig. So wurde dann nach jahrelanger Planung die alte Mühle in den Jahren 1990 / 91 gründlich renoviert. Der älteste Bauteil, der eigentliche Mühlenbau, der wegen Baufälligkeit lange nicht benutzt werden konnte, wurde abgebrochen und total und denkmalgerecht wieder Aufgebaut. Das lange, mit "Eternit" verblendete Fachwerk wurde wieder freigelegt.
Aber
auch eine Reihe Brandschutzmaßnahmen und Sicherheitsauflagen wurden erfüllt.
Die gesamte Haustechnik musste modernisiert werden. Das Ganze wurde möglich
mit Unterstützung des Landes Hessen und der Stadt Offenbach, aber auch durch
viele kleine Spender. Trotzdem musste der Verein noch tief in die Tasche greifen
und die Mitglieder einige Tausend Selbsthilfe-Arbeitsstunden einbringen.
Am
Pfingstsamstag 1991 wurde, nun zum 3. mal, Einweihung gefeiert. So wie sich die
alte Mühle im Kasselgrund nun im neuen Glanz zeigte, sah sie in den letzten
hundert Jahren nicht mehr aus. Wie allgemein bekannt ist, setzen sich aber Naturfreunde
nie auf dem Erfolg zur Ruhe. Neue Erkenntnisse über die Anwendbarkeit erneuerbarer
Energien führten Ende 1998 dazu, eine Thermische Solaranlage zu bauen. Unter
fachlicher Leitung, aber in Selbsthilfe wurden diese Arbeiten ausgeführt.
Die Anlage versorgt die Dusch.- und Waschanlage mit heißem Wasser.
Die
Günthersmühle ist besonders geeignet für Familien mit Kindern,
Kindergruppen und Wochenend - Wanderer. Es stehen 19 Betten, in Zimmern mit 2,
4 und 5 Betten zur Verfügung. Außerdem sind im sogenannten "Taubenschlag",
einem sauber ausgebauten Dachraum, 8 Schlafplätze auf Matratzen vorhanden.
Es gibt weiter ein Aufenthaltsraum für etwa 25 Personen und einen Seminarraum
für etwa 35 Personen.
Für
Gäste die sich selbst verpflegen wollen kann eine "Selbstkocherküche"
benutzt werden. Der besondere Reiz des alten Fachwerkhauses liegt in seiner verschachtelten
und verwinkelten Bauweise, es bietet einen wohltuenden Kontrast zu unseren Städtischen
Beton - Wohnburgen. Hotelkomfort wird nicht geboten. Dusch.- und Waschräume,
sowie Toiletten sind im angrenzenden Sanitärhaus. Für die Nacht ist
eine Toilette im Haus.
Im Gelände um das Haus gibt es eine große
Spielwiese, eine Zeltwiese mit Feuerplatz, ein Vereins - Campingplatz mit 35 Wohwagen
- Stellplätzen, 2-3 Gäste-Stellplätze für Wohnwagen oder Wohnmobile,
zu kurzfristigen Aufenhalten, sowie einen PKW-Parkplatz.
Die
Bewirtschaftung der Günthersmühle wird in klassischer Naturfreundeart
von den Mitgliedern in abwechselndem Dienst versehen. Geöffnet ist an allen
Wochenenden von März bis Ende Oktober, in den Schulferien durchgängig,
oder nach Vereinbarung mit dem Vorstand des Hausbetreuungs-Vereins.
Auskunft
u. Anmeldungen: Steffi Albert und Gerald Reisert, Friedrichstraße
1, 63512 Hainburg, Tel: 06182-889817,
Fax: 06182-889815,
Mail: guenthersmuehle@online.de